Dresden
Die Person, die jeder anrief, geht in den Ruhestand

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Die Person, die jeder anrief, geht in den Ruhestand
Karlheinz Quick geht nach fast 50 Jahren im Industriebau und drei Jahrzehnten bei Exyte an Dresdens Halbleiterstandorten in den Ruhestand. Seine Kollegen verabschieden sich von einer Persönlichkeit, die Teil der Industriegeschichte der Region wurde. Von den frühen Tagen der Halbleiterfertigung in Dresden bis hin zum Bau und Ausbau eines großen Halbleiter-Fab-Campus war er die Person, an die sich die Menschen wandten, wenn fundiertes Urteilsvermögen und eine praktische Lösung gefragt waren.
„Es ist unmöglich, in Worte zu fassen, welches Maß an Wissen und was für eine bemerkenswerte Persönlichkeit heute Nachmittag durch Gate 1 gehen wird“, sagte Michael Oehme, ein Senior Designer bei Exyte im Bereich Tool Install bei GlobalFoundries, über seinen langjährigen Kollegen Karlheinz Quick und brachte damit zum Ausdruck, was viele an diesem Tag fühlten – Karlheinz' letzter Arbeitstag. Sein Abschied von Exyte und dem Standort ist nicht einfach der Ruhestand eines Kollegen. Es ist der Abschied von jemandem, der nicht nur drei Jahrzehnte Halbleitergeschichte in Dresden begleitet, sondern sie in entscheidenden Momenten mitgestaltet hat.
Von Dortmund nach Dresden
Karlheinz – dessen vollständiger Vorname eigentlich Karl-Heinrich ist – stammt aus Dortmund, hat Maschinenbau studiert und begann seine Karriere in der Fabrik- und Reinraumkonstruktion in den späten 1980er Jahren. Bevor Dresden zum Mittelpunkt seines beruflichen Lebens wurde, führten ihn seine Arbeiten in die Niederlande, nach Italien, Israel, die Vereinigten Staaten und nach Taiwan, wo er am Bau der TSMC Fab 1 beteiligt war. Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung kam er als Hook-up-Ingenieur für eine Tochtergesellschaft von M+W Zander, ein Vorgängerunternehmen von Exyte, nach Dresden. Im September 1997 begann er seine Tätigkeit im heutigen GlobalFoundries-Werk an der Wilschdorfer Landstraße, damals noch AMD. Er war von Anfang an dabei, installierte das erste Tool und wurde in den folgenden 30 Jahren zu einer prägenden Persönlichkeit an einem Standort, der selbst zu einem Symbol für Sachsens technologischen Aufbruch wurde.
Innerhalb von Exyte und zuvor bei M+W Zander war Karlheinz weit mehr als ein erfahrener Spezialist. Sein technisches Urteil hatte Gewicht, weil es auf jahrzehntelanger Erfahrung, technischer Präzision und einem außergewöhnlich klaren Verständnis der Gegebenheiten vor Ort beruhte. Mehr als einmal wurde er kurzfristig an Projektstandorte weltweit geschickt, wenn komplexe Situationen bewertet, Probleme offen angesprochen und Projekte wieder auf den richtigen Weg gebracht werden mussten. Aber er kehrte immer nach Dresden zurück. Was die Menschen schätzten, war nicht nur sein Wissen, sondern auch seine Haltung: Karlheinz sagte, was gesagt werden musste – ehrlich, direkt und konstruktiv. Genau diese Offenheit machte ihn zu einer Stimme, der man zuhörte, selbst auf den höchsten Ebenen des Unternehmens.

Karlheinz Quick mit einem seiner Abschiedsgeschenke, einem 200-mm-Wafer aus den frühen Jahren der Fabrik.
Die Person, die jeder anrief, geht
Während seiner Abschiedsfeier tauchte immer wieder eine Frage auf: „Wen sollen wir denn ab morgen anrufen?“ Was zunächst wie ein Scherz klingt, beschreibt sehr genau die Rolle, die Karlheinz Quicl jahrzehntelang gespielt hatte. Er war ein Ansprechpartner, ein Problemlöser, ein Ermöglicher - und für viele die Person, die man anrief, wenn es wirklich wichtig war.
An seinem letzten Tag machten unzählige Anekdoten die Runde: von Reparaturen, die schneller abgeschlossen wurden, als irgendjemand erwartet hatte, von Ersatzteilen, die in zwei Stunden statt in drei Wochen organisiert wurden, und von Situationen, in denen scheinbare Unmöglichkeiten irgendwie zu Lösungen wurden. „In den 1990er Jahren herrschte hier in Dresden ein echter Aufbruchgeist. Viele internationale Spezialisten trafen auf die Motivation der Menschen in der Region. Gemeinsam mussten wir lernen und ein Netzwerk aufbauen, in dem die Menschen auch 30 Jahre später noch bereit waren, sich gegenseitig zu helfen.“
Anerkennung über Exyte hinaus
Diese Kombination aus Hilfsbereitschaft, Erfahrung, technischem Verständnis und einem fast legendären Instinkt für Hook-up-Themen verschaffte Karlheinz Respekt weit über sein eigenes Team hinaus. Das Ausmaß seiner Bedeutung auf Kundenseite wurde besonders an seinem letzten Arbeitstag deutlich: Vertreter von GlobalFoundries überreichten ihm zwei Wafer als Zeichen des Dankes – einen vergoldeten 300-mm-Wafer mit persönlicher Widmung sowie einen 200-mm-AMD-Athlon-Wafer aus den frühen Jahren der Fab. Diese Geschenke hatten symbolische Kraft: Sie standen nicht nur für persönliche Wertschätzung, sondern auch für eine gemeinsame Geschichte, die Karlheinz über Jahrzehnte mitgeschrieben hatte.
Alexander Kirstan, Abteilungsleiter CPM bei GlobalFoundries, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, sich mit persönlichen Worten von Karlheinz zu verabschieden: „Wir werden Sie vermissen, nicht nur als Experten, sondern vor allem als Mensch.“
Und so saß Karlheinz Quick ein letztes Mal mit seinen engsten Kollegen in der Kantine, trank eine letzte Schokoladenmilch und blickte in die Zukunft. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es war eine wunderbare Zeit hier, und ich habe sie wirklich genossen“, sagte Karlheinz und blickte auf die vergangenen 30 Jahre in Dresden und fast 50 Jahre im Industriebau zurück. Ist das also wirklich das Ende? Nachdem er seinen Ruhestand bereits dreimal verschoben hat, ist sich Karlheinz jetzt sehr sicher, dass er nicht zurückkommen wird, so sehr sich seine Kollegen auch etwas anderes wünschen mögen. Sie haben jedoch seine private Telefonnummer – für einen Anruf im Notfall.